Die Eisenkrone – über anspruchsvolle Klettersteige und Wege durch den Wilden Kaiser

Die Eisenkrone – über anspruchsvolle Klettersteige und Wege durch den Wilden Kaiser

Marie hatte sich mit Josie zusammen eine Hüttenwanderung überlegt. Da man nach dem Ausbau der ICE-Strecke nach München recht schnell nach Österreich kommt, fiel die Wahl auf den Wilden Kaiser. Die beiden wollten die Kaiserkrone, eine Rundwanderung um den kompletten Gebirgsstock, absolvieren und danach noch 3 Nächte in einem schönen Hotel in Scheffau verbringen.

Im Laufe der Planungen merkte ich dann, dass meine letzte Bergtour in den Alpen auch schon viel zu lange her war. Daher fing ich an zu überlegen, ob ich nicht auch eine kürzerer Tour mit weniger freien Tagen machen könnte. Bei meiner Recherche stolperte ich über die „Eisenkrone“ am Wildern Kaiser mit vielen Höhenmeter, 5 Klettersteigen und insgesamt einem sehr spannenden und ambitionierten Programm. Die Tickets mit dem ICE bekam ich für 67 EUR für beide Strecken – daher buchte ich das dann mal.

Ankunft in Kufsteim, 05.09.2018

Ich arbeitete noch etwas von zuhause und schaute auch noch mal kurz bei Globetrotter vorbei. Ich hatte gestern mal wieder versucht, den Klettergurt im Wohnzimmer anzulegen – irgendwie ging mir das nach der recht langen Pause seit dem letzten Mal nicht wirklich leicht von der Hand. Daher schaute ich nach einem neuen Gurt, ließ mich aber vom sehr freundlichen Verkäufer davon überzeugen einfach den vorhandenen zu nehmen. Er zeigte mir noch mal in Ruhe, wie das geht und so konnte ich den alten Gurt beruhigt einpacken.

Gegen 14.30h ging es von Südkreuz los, gegen 20.30h kam ich pünktlich in Kufstein an. Dort bezog ich mein Zimmer im Boutiquehotel „Träumerei“ und ging dann noch ein entspanntes Bier trinken. Danach ging es recht früh ins Bett – ich wollte morgen ja den Bus um 8.40h in Richtung Going nehmen.

Von Going auf die Gruttenhütte im Wilden Kaiser, 06.09.2018

Das Frühstück war richtig gut und ich schlemmte erst mal ganz in Ruhe.

Abends war mir noch aufgefallen, dass mein neuer Kletterrucksack von Deuter leider gar keine integrierte Regenhülle hatte – das war ärgerlich, da am Freitag Regen angesagt war. Ich bekam den Bus um 8.40h in Richtung Söll und ging dort erst mal in ein Sportgeschäft wegen einer Regenhülle. 20 EUR wollte ich dann aber nicht investieren – 3 Regenhüllen liegen ja bereits zuhause rum. Also ging es weiter nach Going und dort kaufte ich erst mal 3 Plastiktüten – deutlich günstiger um die Sachen im Rucksack trocken zu halten.

Danach wanderte ich dann in Richtung Goinger Badesee los und von da an ging es stetig bergauf und ich schwitzte wie ein Schwein;-)) An der Graspoint Niederalm ging es vorbei zur Oberen Regalm. Von dort aus ging es stetig bergauf weiter zum Brennenden Palven. Von dort hatte man einen wirklich tollen Ausblick – weiter ging es über den „Much-Wieser-Steig“ zum Jubiläumssteig. Der erste führte etwas ausgesetzt durch Geröllfelder – der Jubiläumssteig hatte bereits Klettersteig-Charakter mit Seilsicherungen und zwei Leitern – das Klettersteigset brauchte ich da jedoch noch nicht.

Gegen 14.30h erreichte ich dann bereits mein Tagesziel – die Gruttenhütte. Diese wurde vor einem Jahr neu renoviert und glänzte damit nicht nur durch ihre Lage.

Ich bezog mein Bett im 6er-Zimmer und wanderte dann durch das Klamml zur Gaudeamushütte, dem heutigen Tagesziel von Marie und Josie. Ich war gegen 16h da – die beiden hatten aber noch ordentlich weg vor sich und kamen daher erst um kurz nach 18h an. Vorher hatten sie noch einen richtig fetten Regenschauer mitgenommen….

Beim Essen gab es dann keine Auswahl mehr – es gab Kaasspätzle für uns alle – diese waren aber richtig lecker. Danach teilten wir uns dann noch einen Kaiserschmarren – auch sehr gut. Ich machte mich dann um 19.10h auf den Rückweg zur Gruttenhütte – gut 350 Höhenmeter mussten noch mal überwunden werden. Da ich gut voran kam, beschloss ich gegen 19.40h noch den Klettersteig Klamml zu beginnen – im Nachhinein die dümmste Idee des ganzen Urlaubs. Dieser hat im ersten Teil Schwierigkeiten B/C – durch die schlechtere Sicht und die ganzen Höhenmeter waren diese aber alles andere als entspannt. Viel musste ich über Kraft lösen, da ich die Tritte nicht mehr sah und an einer der schwierigeren Stellen bekam ich dann weit über dem Boden einen richtig fetten Krampf im Oberschenkel. Das Knie schlug ich mir nebenbei auch noch etwas auf…..

Irgendwie kam ich dann aber durch und die letzten Meter ging es im Dunkeln mit weichen Beinen zur Gruttenhütte. Bereits auf der Terrasse wurde ich entgeistert gefragt, ob ich jetzt noch aus dem Klettersteig kommen würde. Ich holte mir erstmal ein Pflaster und wollte duschen. Diese war aber mittlerweile eiskalt – bei 1 EUR für 20 Sekunden entschied ich mich gegen die kalte Dusche und für das kalte Bier. Der Gastraum war noch gut besucht – Hüttenruhe ist hier erst um 23h. Das Bier tat jetzt gut und irgendwann ging es dann ins Bett. Besonders gut schlafen konnte ich aber nicht, das Knie und der Oberschenkel taten weh und richtig abgehakt war die dumme Aktion wohl auch noch nicht.

Von der Gruttenhütte über den Gamsängersteig zum Hans-Berger-Haus, 07.09.2018

Ich wurde daher bereits vor 7h wach – daher konnte ich dann auch gleich um 7h frühstücken. Entgegen des Wetterberichts war es sogar noch trocken. Ich hatte das große Frühstücksbüffet für 15 EUR genommen – Wunder darf man da aber leider auch nicht erwarten. Es gab Kaffee, Müsli, Joghurt, Obstsalat und Brot mit Wurst, Käse und Marmelade. Außerdem durfte man sich noch Essen mitnehmen und in Frischhaltefolie verpacken. Für 6,90 EUR hätte man aber auch nur 2 Scheiben Brot und einen Becher Kaffee bekommen.

Um 8.20h machte ich mich dann auf den Weg – nach dem Radarbild gab es die Chance, dass es bis 11h trocken bleiben würde. Ich machte mich über den Gamssängersteig in Richtung Ellmauer Halt und dann weiter in Richtung Hans-Berger-Haus. Bereits nach einer knappen Stunde fing es an zu nieseln – dieser wurde aber recht schnell zu einem kräftigen Regen. Am Anfang gab es einfachere Kletterpassagen, diese waren aber durch die Nässe extrem rutschig und ich holte mir beim Abrutschen eine kleinere Wunde an der Hand. Das lief ja richtig klasse.

Irgendwann stand ich dann vor vielen Stahltritten an einer Wand hoch. Ich überlegte an dieser Stelle auf der einen Seite, ob ich mich jetzt verlaufen hatte – so richtig Klettersteig wollte ich bei dem strömenden Regen ja gar nicht machen und auf der anderen Seite, ob ich nun im strömenden Regen den Klettergurt anlegen sollte. Ich ging ohne weiter.

Ein Stück weiter kam ich dann zur „Rote-Rinne-Scharte“. Dort konnte man in Richtung Hans-Berger-Haus abzweigen – die Alternative wäre die Überquerung der Ellmauer Halt über den Klettersteig und der Abstieg über den „Kaiserschützen-Klettersteig“ gewesen. Das war mein ursprünglicher Plan – diesen verwarf ich dann aber aufgrund des Wetters. Aber auch der Abstieg durch die Rote Rinne war alles andere als schön – an einer besonders steilen und rutschigen Stelle legte ich dann doch noch den Gurt an……

Mit einigen Rutschern kam ich gut unten an – im strömenden Regen ging es weiter zum Hans-Berger-Haus. Dort kam ich bereits gegen 12h an – der Hüttenwirt fragte gleich von wo ich angeschwommen käme. Nach einer Stärkung mit einer Kaspressknödel-Suppe machte ich erst mal einen Mittagsschlaf – es regnete ja immer noch. Danach schmökerte ich in meinem Buch – mittlerweile hatte es aufgehört zu regen. Hätte ich das gewusst – wäre ich doch erst gegen Mittag gestartet. Die 2000-er Wassersäule meines Rucksacks hatten auf jeden Fall nicht ausgereicht – der Rucksack war innen nass, die meisten Klamotten aber durch die Tüten trocken geblieben. Der Trockenraum brachte leider gar nichts – auch morgens waren die Sachen noch nass.

Abends hatte ich dann das 3-Gänge-Menü aus der Halbpension. Erst gab es eine Suppe, dann Ochsenbraten mit Spätzle und anschließend einen Frucht-Tiramisu. Alles sehr lecker. Dazu erst Zipfer, danach dann noch Rotwein mit Fabian und Frank, die an meinem Tisch saßen. Und Willi gab es dann auch noch. Irgendwann rief Marie auf der Hütte an und die Hüttenwirtin konnte ich sagen, dass ich gut angekommen war. Empfang hatte man gar nicht.

Das mit dem Einschlafen im Lager klappte ganz gut – wir hatten aber leider ein paar Schnarch-Spezialisten unter uns – das brachte immer mal wieder Wachphasen mit sich…..

Hans-Berger-Haus über den Güttlersteig auf das Sonneck und runter nach Scheffau, 08.09.2018

Die Wetteraussichten für das Wochenende waren zum Glück deutlich besser und schon morgens war es zumindest trocken. Das Frühstück war super und ich nahm noch zwei Lunchbrote mit. Diese kann man am Vortag bestellen und sie kamen dann in einer handgemalten Brottüte mit meinem Namen – eine nette Geste.

Gegen 8.30h ging es dann auf die lange Strecke. Am Anton-Karg-Haus ging es auf den Bettlersteig und von dort ging es auf den Güttlersteig. Diese führte stetig nach oben, ab und an sah ich einige Gämse. Eigentlich wollte ich den Kufsteiner Klettersteig machen – ich war aber ganz alleine unterwegs, niemand war weit und breit zu sehen. Der Klettersteig ist recht lang und hat sogar ein paar Stellen mit der Schwierigkeit D, die leicht überhängend sind. Daher verzichte ich nach den Erfahrungen aus dem Klamml-Klettersteig auf die Solo-Tour und blieb weiter auf dem Güttlersteig. Auch der war nicht wirklich ohne – vor allem der Aufstieg durch ein steiles Geröllfeld war recht ätzend.

Gegen 12.30h war ich dann aber auf dem 2.260m hohen Sonneck, das unglaubliche Ausblicke auf das Stripsenjochhaus und die Ellmauer Halt bot. Ich blieb eine ganze Weile am Gipfel und genoss mit Brote mit Ausblick. Danach ging es das Gipfelgrat in Richtung Scheffauer lang. Auch hier musste ich dann wieder eine Entscheidung treffen. Kletterei über die Hackenköpfe (kein gekennzeichneter Weg, Kletterei bis Stufe 2). Ich entschied mich wieder schweren Herzens für die sicherere Variante und nahm den Normalabstieg in Richtung Kaiser-Hochalm. Aber auch dieser hatte es wirklich in sich – an vielen Stellen steil und sehr rutschig.

Ich kam aber sicher unten an und von dort ging es auf entspannteren Wegen in gut 1,5h bis zum Gasthof Bärnstatt. Diesen erreichte ich gegen 16.30h. Nach der Dusche genoss ich erst mal ein kaltes Bier – die Oberschenkel schmerzten von 1500 Höhenmeter im Aufstieg und 1.700 Höhenmetern im Abstieg. Vor dem Essen konnte ich mich dann doch noch mal dazu durchringen, zum Hintersteiner See zu Laufe. Die 10 Minuten kamen mir richtig lange vor, der See im warmen Abendlicht lohnte aber diese Mühen.

Danach hatte ich dann Tries vom Knödel und ein weiteres Bier. Nachtisch war mir zu viel – also gab es zum Abschluss des Tages noch eine Marille.

Auf den Scheffauer und zum Brentenjoch über den Widauer Steig, 09.09.2018

Der Sonntag war dann bereits der letzte Tage meiner Tour. Zum krönenden Abschluss gab es aber auch das beste Wetter. Das Frühstück war sehr lecker und reichhaltig – es gab sogar Rührei. So gestärkt machte ich mich auf den Weg zu Steiner Hochalm und genoss die traumhaften Ausblicke auf den Hintersteiner See.

An der Hochalm wollte ich mich dann entscheiden, ob ich mit dem Scheffauer noch mal einen Gipfel mitnehme oder stattdessen die entspannte Variante um den Berg herum nehmen sollte. Nach einem kurzen Moment des Zögerns war ich auf dem Weg in Richtung Scheffauer. Der Anstieg ging nach der gestrigen Gipfeltour deutlich besser als befürchtet und nach 2,5h Stunden stand ich bereits am Gipfelkreuz und hatte einen unglaublichen Weitblick. Und auch der. Hintersteiner See sah von oben noch mal deutlich beeindruckender aus. Ich genoss die Aussicht eine gute halbe Stunde und stieg dann über den Widauer Steig in Richtung Kaindlhütte ab.

Von oben konnte man gar nicht glauben, dass man durch diese steile Rinne absteigen konnte – es ging aber. Es gibt jedoch einiges an Steinschlag – daher setzte ich dann doch mal den Helm auf. Der Steig führt total beeindruckend, aber nicht sonderlich schwer nach unten – nur Höhenangst sollte man definitiv nicht haben, da es an vielen Stellen ohne Sicherung viele Meter nach unten geht. Der Weg in der Wand war aber fast besser zu gehen als der matschige Pfad in Richtung Kaindlhütte. Diese erreicht ich um 13.30h und wollte Spinatknödel bestellen. Diese waren aber schon aus, so beschränkte ich mich auf meine Holunderblüten-Schorle und ging weiter in Richtung Weinbergerhaus.

Kurz vorher kommt dann aber die Brentenjochalm mit einem unglaublichen Blick auf das Panorama des Wilden Kaisers und es war sogar ein Tisch mit Panoramablick frei und es war Knödeltag. Das war ein Wink des Schicksals und ich nahm den Tisch. Ich bestellte Speckknödel mit Krautsalat – es kamen für 5,70 EUR sogar zwei große Knödel. Dazu dann ein Hefeweizen und danach noch ein großes Stück hausgemachten Pflaumenkuchen. Das alles beim einem traumhaften Ausblick für 10,90 (!) EUR. Das war wirklich ein krönender Abschluss der Tour.

Eigentlich wollte ich ja mit dem Kaiserlift zum Tal schweben – dann dachte ich aber, dass ich diese Tour eigentlich per pedes zu Ende bringen sollte. Also ging es die letzten 700 Höhenmeter runter nach Kufstein. Es sollte 1:45h dauern, am Ende war ich nach 1:10h um kurz vor 17h unten. Das war ein gutes Timing – mein Zug sollte um 18:02h nach München abfahren. Ich holte mein IPad auf dem Hotel ab und machte mich etwas frisch, danach wartete ich in der Sonne auf die Abfahrt des Zuges. Diese fuhr pünktlich ab und so gingen 4 tolle und erlebnisreiche Tage zu Ende. Und so ein paar offene Aufgaben warten ja am Wilden Kaiser noch auf mich – diesmal dann aber mit einem Begleiter……

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