Eine große Runde im Kaisergebirge mit Überschreitung der Hackenköpfe

Eine große Runde im Kaisergebirge mit Überschreitung der Hackenköpfe

Kurzbeschreibung der Tour

Eine schöne und recht anspruchsvolle 5-Tages-Tour durch den Zahmen und Wilden Kaiser mit spannenden Klettersteigen, vielen Höhenmetern, zahlreichen Gipfeln, einsamen und viel begangenen Pfaden. Das absolute Highlight war für mich die Überschreitung der Hackenköpfe – eine grandiose Gratwanderung! Nach der Premiere 2018 im Wilden Kaiser schon die zweite Tour.

Übersicht und Karte

Anreise nach Kufstein

Am 11.09. ging es wieder mit dem ICE von Berlin über München nach Kufstein. Die Fahrtzeit von knapp 6 Stunden ist wirklich unschlagbar und man kommt entspannt in Kufstein an. Dort hatte ich wieder ein Einzelzimmer im Boutiquehotel Träumerei gebucht – direkt gegenüber vom Bahnhof in der Altstadt gelegen, sehr schön eingerichtet und bei direkter Buchung über die Website des Hotels bekommt man noch einen Begrüßungs-Gin-Tonic im Stollen. Auch eine richtig gute und sehenswerte Bar.

Tag 1, 12.09.2019 – Von Kufstein zum Stripsenjochhaus

Das es morgens noch sehr trüb war, genoss ich ganz entspannt das sehr gute und reichthaltige Frühstücksbüffet. Ich machte mich erst gegen 10.30h von Kuftstein aus in Richtung Kaisertal. Über unzählige Stufen über die Sparchenstiege geht es in Richtung Veitenhof und Vorderkaisenfeldenhütte. Wer am Vorabend los will kann hier auch die erste Nacht verbringen.

Den ersten tollen Ausblick zurück nach Kufstein hat man von der Naunspitze. Kurz danach erreicht man das Petersköpfl. Von dort aus geht es endlos durch Latschenkiefern in Richtung Pyramidenspitze. Durch den sehr entspannten Start war ich erst gegen 15h an der Pyramidenspitze. Irgendwie hatte ich mir den ersten Tag entspannter vorgestellt, laut Wegweiser sind es jedoch von der Pyramidenspitze noch mal 4h bis zum Stripsenjochhaus. Da die Küche dort bereits um 10h schließt musste ich jetzt doch etwas an Tempo zulegen. So ging es recht schnell durch schrofiges Gelände abwärts, der Weg in Richtung Stripsenjoch zog sich aber wahnsinnig. Es ist aber eine landschaftlich unglaublich schöne Wanderung. An der Hochalm gönnte ich mir noch einen „Holler gespritzt“ und füllte das Wasser auf, danach ging es weiter.

Gegen 18h kam ich dann am Stripsenjochhaus an. Ich genoss noch den Sonnenuntergang und danach das Alpenglühen über dem Kaisertal, das Essen hatte ich in den letzten Sonnenstrahlen noch draußen. Als die Sonne dann hinter den Bergen verschwand wurde es auch schlagartig frisch und ich ging nach drinnen. Ich hatte ein 2-Bett-Zimmer im Anbau bekommen, dass ich aber alleine nutzen konnte. Insgesamt war es ein langer Tag und sehr schöner Tag, das iPhone hatte danach 24,9 km auf der „Uhr“ und meine Beine fühlten sich auch so an….

Tag 2, 13.09.2019 – Vom Stripenjochhaus über den Güttlersteig zur Gaudeamushütte

Die Wettervorhersage war richtig gut und morgens schien die Sonne auch von einem makellos blauen Himmel. Diesmal gab es einen recht entspannten Tag. Vom Stripsenjochhaus ging es über den Eggersteig in Richtung Ellmauer Tor. Der Weg ist recht ausgesetzt und an einigen Stellen seilversichert, aber nicht wirklich schwierig.

Am Ellmauer Tor kann man einen schönen Abstecher zur Hinteren Goinger Halt machen. Der Aufstieg vom Ellmauer Tor dauert ca. eine halbe Stunde, die unglaubliche Aussicht entschädigt aber für jeden Höhenmeter. Danach ging es durch viel Schotter runter zur Gaudeamushütte. Diese erreicht ich bereits am frühen Nachmittag und verbrachte dort einen entspannten Nachmittag in der Sonne. Das Abendessen war wieder unglaublich gut. Erst gab es eine Suppe, danach Käsespätzle und zum Abschluss noch einen kleinen Kaiserschmarrn. Für mich ist die Hütte deutlich schöner als die Gruttenhütte, die 400 Höhenmeter zusätzlicher Abstieg und am nächsten Tag dann auch wieder Aufstieg hatten sich gelohnt.

Bei der Planung der Tour wollte ich erst vom Stripsenjochhaus in Richtung Ackerlspitze und Maukspitze und dann zur Gaudeamushütte – am Ende war aber auch der vergleichsweise entspannte Tag sehr schön….

Tag 3, 14.09.2019 – Von der Gaudeamushütte über Gamsjägersteig und Kaiserschützensteig zum Hans-Berger-Haus

Dieser war wieder deutlich anspruchsvoller. Durch das Klamml ging es in Richtung Gruttenhütte, auf den Klamml-Klettersteig verzichtete ich diesmal. An der Gruttenhütte vorbei ging es über den Gamsjägersteig auf die Ellmauer Halt. Der Klettersteig ist recht einfach, die Jägertreppe sieht beeindruckend aus und etwas anspruchsvoller wird es erst an einer B/C-Stelle kurz vor dem Gipfel. Dort waren dann auch einige andere Leute unterwegs. Ich benutzte das Klettersteigset jedoch nicht, damit kam man recht schnell an allen anderen vorbei.

Nach der tollen Aussicht vom Gipfel ging es über den Kaiserschützensteig in Richtung Hans-Berger-Haus. Dies ist ein wirklich schöner Klettersteig bzw. an den meisten Stellen eher eine Gratwanderung. Auf diesem Steig waren deutlich weniger Leute unterwegs als auf dem Gamsjägerstieg. Den kleinen Abstecher zur „Kleinen Halt“ gönnte ich mir dann auch noch. Ansonsten ist der Klettersteig recht lang und vom Einstieg des Klettersteiges geht es noch etliche Meter runter bis zum Hans-Berger-Haus.

Das Hans-Berger-Haus ist für mich ganz persönlich die beste Unterkunft im Wilder Kaiser, danach folgt die Gaudeamushütte. Die Hütte ist sehr gemütlich, das Matratzenlager mit 8 Bettem sehr schön und das Essen ist super. Dazu noch die tollen Hüttenwirte – richtig gut!

Tag 4, 15.09.2019 – Vom Hans-Berger-Haus zum Weinbergerhaus über Sonneck, Hackenköpfe und Scheffauer

An diesem Tag stand die „Kaiseretappe“ auf dem Programm. Der Hüttenwirt riet mir zu einem sehr frühen Aufbruch, da es ein langer Tag werden würde. Also frühstückte ich bereits um 7h. Das Frühstück war wieder gut und reichhaltig, außerdem ließ ich mir noch zwei Brote für den Weg machen – unterwegs kommt nichts…

Es ging in Richtung Anton-Karg-Haus und vor dort über den Bettlersteig und den Güttlersteig auf das Sonneck. Den Kufsteiner Klettersteig ließ ich sein – es war recht einsam und ich war alleine unterwegs. Am Sonneck konnte ich die Aussicht zuerst alleine genießen, dann kamen ein Vater mit seinem Sohn an und danach ein Einheimischer, der recht durchtrainiert aussah. Mit dem unterhielt ich mich, er war auch sehr früh aufgebrochen und war vor dem Sonneck bereits auf dem Scheffauer gewesen. Ich fragte ihn dann, ob er vom Scheffauer direkt über das Grat über die Hackenköpfe gekommen wäre. Er war jedoch abgestiegen und dann wieder hoch, da der Weg nicht besonders markiert und recht anspruchsvoll sei. Das hätte ihm auch sein Schwiegervater gesagt, der sich sehr gut in der Gegend auskennt. In diesem Moment machte ich mich schon auf den Abstieg, den erneuten Aufstieg und die sehr späte Ankunft im Weinbergerhaus gefasst.

Kurz vor der Abzweigung zum Abstieg kamen mir jedoch 2 Männer entgegen, die über die Hackenköpfe gekommen waren – die waren nicht ganz so pessimistisch. Aus ihrer Sicht sollte es in 2,5 Stunden gut funktionieren. Danach kamen mir noch 3 Leute entgegen, zum Teil deutlich älter als ich. Die fragte ich auch noch mal und sie meinten im Vergleich zur Überschreitung des Watzmanns wäre das deutlich einfacher.

So machte ich mich dann  auch auf den Weg über die Hackenköpfe zum Scheffauer.  Die Wegmarkierung ist von dieser Seite wirklich sehr spärlich und das eine oder andere Mal dauerte die Suche nach dem Weg doch eine ganze Weile. An einer Stelle war ich kurz vor dem Umkehren, da ich gar keinen Weg mehr sah. Es ging auf beiden Seiten extrem steil runter – sollte das wirklich der richtige Weg sein? In einiger Entfernung sah ich dann jedoch noch einmal zwei Leute entgegenkommen. So holte ich mein letztes Brot aus dem Rucksack, setzte mich hin und schaute welchen Weg die beiden nahmen. Ich war viel zu weit oben und musste ein ganzes Stück runter und an einer Stelle eine Wand runterklettern. Eine ähnliche Kletterei gibt es noch mal kurz vor dem Übergang in Richtung Scheffauer. Alles nicht sonderlich schwierig, man muss nur den Weg finden und der 35l-Rucksack mit gut 10 kg schob dann doch recht ordentlich.

Mit leichtem Gepäck und mit Begleitung auf jeden Fall deutlich einfacher – dann kann man den Rucksack auch mal runterlassen….Als ich die Überschreitung dann aber geschafft hatte war ich auf der einen Seite sehr stolz und glücklich – auf der anderen Seite aber auch wirklich erleichtert, dass ich es geschafft hatte. Bei einem Umdrehen wäre ich definitiv im Dunkeln angekommen. Die Markierung vom Scheffauer in Richtung Sonneck ist deutlich besser.

Ich machte dann noch den kurzer Abstecher zum Scheffauer mit tollem Rundumblick zum Hintersteiner See und zum Zahmen Kaiser. Danach ging es dann über den Widauer Steig runter, da war ich um diese Uhrzeit auch wieder alleine unterwegs. Vom Einstieg zum Wiedauer Steig zieht sich der Weg erst mal ordentlich bis zur Kaindlhütte und danach weiter bis zum Weinbergerhaus. Der Weg auf der breiten Forststraße machte nicht mehr wirklich Spaß und ich beneidete in diesem Momente wirklich die Mountainbiker.

Am Ende war ich nach etwas mehr als 10 Stunden am Weinbergerhaus. Dort genoss ich das Licht der untergehenden Sonne und ließ es mir mit einem Bier, gutem Essen und einem Wein richtig gut gehen.

Tag 5, 16.09.2019 – Entspannung am Weinbergerhaus und Abstieg nach Kufstein

Dieser stand vollständig im Zeichen der Entspannung. Ich verbrachte fast den ganzen Zeit beim Weinbergerhaus, genoss das gute Essen und hatte ein Buch im Liegestuhl. Nachmittags ging es dann über die Duxer Alm zurück zum Bahnhof. Bei der Duxer Alm genoss ich das Panorama auf den Wilder Kaiser und einen leckeren Kuchen;-))

Fazit – Das Kaisergebirge mit Zahmen und Wilden Kaiser ist immer eine Tour wert!

Nach dem ersten Mal hatte ich überlegt, wo ich das nächste Mal für die Hüttentour hinfahren soll. Da ich vor einem Jahr aufgrund des Wetters nicht alle Klettersteige wie geplant machen konnte, war ich aber noch nicht fertig mit dem Kaisergebirge. Und auch nach der zweiten Tour wird definitiv die dritte Tour folgen. Zum einen möchte ich gerne noch zur Ackerl- und zur Maukspitze, zum anderen ist der Kuftsteiner Klettersteig ja immer noch offen. Und die Überschreitung der Hackenköpfe lohnt sich auch ein zweites Mal. Diesmal würde ich aber nicht alleine, sondern mit Freunden fahren – das macht gerade die Begehung des Kufsteiner Klettersteigs und die Überschreitung der Hackenköpfe deutlich einfacher.

Das Fazit in einem Satz: Mal wieder eine traumhafte Tour!

Es gibt keine Kommentare

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.