Fünf Tage Wilder Kaiser – einfache Wanderung oder Nahtod-Erfahrung?

Fünf Tage Wilder Kaiser – einfache Wanderung oder Nahtod-Erfahrung?

Nach meiner Rundtour durch die Mieminger Kette und dem Absturz im Klettersteig stand nun die Wanderung mit den „Jungs“ auf dem Plan. Auf diese Tour hatte ich mich unglaublich gefreut – auch wenn es für mich bereits zum dritten Mal zum Wilden Kaiser ging und sich einige Touren überschnitten. Der Wilde Kaiser ist aber unglaublich schön und daher freute ich mich auch auf ein Wiedersehen mit ein paar Touren und Gipfeln, ein paar neuen Touren, gemeinsamen Abenden mit guten Freunden und vor allem auf den erneuten Besuch im Hans-Berger-Haus. Für mich immer noch „The Place to be“ in den Alpen!

29.07.2020 – Anreise und Aufstieg zur Gaudeamushütte

Die Jungs waren mit 2 Autos früh in Berlin gestartet – ich hatte nach einem gemütlichen Frühstück die Bahn von Telfs bis nach Kufstein genommen. Als ich um 11.30h mit dem Zug in Kufstein ankam, waren Kamil, Andi und Chrissie schon da und nahmen mich in Empfang. Und Andi hatte zum Glück auch meine neuen Meindl dabei;-) Wir fuhren dann nach Going zum Badesee und dort warteten wir auf Timo und Roschy. Die beiden kamen dann auch kurze Zeit nach uns dort an und gegen 13h starteten wir bei bestem Wetter mit der Wanderung.

Es ging stetig bergauf, gegen 15 Uhr machten wir auf der oberen Regalm eine Pause. Es gab eine Brettljause, Linsensuppe mit Würstchen und natürlich das erste kalte Bier auf die gemeinsame Tour. Das Essen war richtig lecker – so gestärkt konnte es weiter in Richtung unseres Tagesziel der Gaudeamushütte gehen.

Vorher ging es aber noch den recht steilen Aufstieg hoch zum brennenden Palven. Dieser liegt zwar nur auf gut 1.500 Meter – der Anstieg ist aber recht giftig und der Schweiss floss in Strömen. Die Aussicht am brennenden Palven war aber mal wieder toll!

Danach ging es dann wieder runter zur Gaudeamushütte, die wir gegen 17.30h erreichten. Nach dem Essen saßen wir noch lange zusammen, danach ging es in unser 6-er Zimmer.

30.07.2020 – Klamml Klettersteig, Jubiläumssteig und Regalmspitze

Wir hatten zwei Nächte auf der Gaudeamushütte gebucht und so konnte wir an diesem Tag mit leichtem Gepäck auf Tour gehen. Das Tagesziel war die Maukspitze – zuerst probierten sich die Jungs aber in ihrem ersten Klettersteig. Dazu stiegen wir nach dem Frühstück zum Klettersteig Klamml auf. Dieser hat im ersten Teil Kletterstellen bis zur Schwierigkeit C. Vor dem zweiten Teil kann man dann aussteigen, ansonsten erwarten einen einige D-Stellen. Für den ersten Klettersteig auf jeden Fall recht knackig;-)

Ich verzichtete diesmal auf den Klettersteig, mit tat von den Sturz tatsächlich noch alles weg….Kamil schaute sich den Einstieg interessiert an und verzichtete dann auch. Somit zogen Chrissie, Roschy und Timo das Klettersteig-Set an und stiegen in den Klettersteig ein.

Die drei kamen relativ problemlos durch den ersten Teil und stiegen somit alle über die spektakuläre Seilbrücke in den zweiten Teil des Klettertsteigs an. Aus meiner Sicht absolut faszinierend, da Timo eigentlich Höhenangst hat und sich schon in der schwankenden Gondel beim Skifahren sehr Unwohl fühlt. Sie schafften es aber alle gut durch die D-Stellen und kamen oben happy und stolz aus ihrem ersten Klettersteig raus. Somit stand den nächsten Klettersteigen ja zumindest aus dieser Hinsicht nichts mehr im Wege….

Danach füllten wir unsere Wasservorräte in der Gruttenhütte auf und machten uns auf den Weg zum Jubiläumssteig. Andi entschied sich für eine leichtere Wanderung – somit gingen wir zu fünft weiter. Der Jubiläumssteig führt auf Felsbändern recht unschwierig in Richtung Ellmauer Tor – zumindest von dieser Seite aus. Dabei bietet er immer wieder schöne Ausblicke – auch zurück zur Gruttenhütte.

In Richtung brennender Palven ging es weiter in Richtung Maukspitze. Dort gingen wir jedoch nur bis zum Einstieg der Wand und verzichteten dann auf den Aufstieg. Es war schon recht spät (nach 14h) und wir hätten das mit dem Aufstieg und dem Rückweg zur Gaudeamushütte voraussichtlich nicht mehr bis zum Essen geschafft. Chrissie und Kamil stiegen in Richtung obere Regalm ab – Roschy, Timo und ich gingen den gleichen Weg zurück und versuchten dann über den Gildensteig den Aufstieg auf die Regalmwand. So ganz ohne Gipfel wollte ich diesen Tag dann auch nicht beenden.

Es ging stetig nach oben – irgendwann machte dann Timo schlapp und wartete auf uns. Somit blieb der Gipfel Roschy und mir vorbehalten. Bei einer kleinen Kletterei unterhalb des Gipfels wollte er erst nicht weiter – kam dann aber doch nach und die Aussicht entschädigte für den knackigen Anstieg. Vor allem war man hier ganz alleine….

Danach ging es dann zurück zur Gaudeamushütte, wo Roschy spontan noch die wohlverdiente Abkühlung in der Kuhtränke suchte;-)

31.07.202o – Von der Gaudeamushütte zum Hans-Berger-Haus über 2 Varianten

An diesem Tag trennten sich die Wege unserer Wandergruppe erst einmal. Andi und Kamil gingen direkt von der Gaudeamushütte in Richtung Ellmauer Tor und von dort über den Eggersteig zum Stripsenjochhaus. Das sollte auch ohne Sicherung und Helm aus meiner Sicht gut machbar sein – auch wenn es sich dabei mit Sicherheit um keinen Spaziergang handelt.

Roschy, Timo, Chrissie und ich stiegen wieder in Richtung Gruttenhütte und von dort ging es zum Einstieg des Gamssängersteiges. Dieser führt auf zahlreichen Felsbändern und ein paar versicherten Stellen auf den höchsten Gipfel des Wilden Kaisers – die Ellmauer Halt. Die Schwierigkeit ist mit max. B/C moderat.

Somit kamen wir gut bis zum Gipfel und stiegen dann nach der Gipfelrast auf der anderen Seite über den Kaiserschützensteig wieder ab. Beim letzten Mal hatte ich mich da nur an einer Stelle versichert, durch den letzten Absturz ging ich auf Nummer sicher und nutzte das Klettersteigset doch an der einen oder anderen Stelle. Den anderen bereiteten die ungesichterten Stellen auf dem Grat und der ungesicherte Abstieg, der teilweise über Schutt geht deutlich mehr Probleme als das schwierigere Klettern. Wenn man etwas Probleme mit ausgesetzten Stellen und Schwindel hat, ist der Abstieg also wirklich eine Herausforderung….

Auf jeden Fall sollte man die Länge der ganzen Tour nicht unterschätzen. Nach dem Ausstieg aus dem Klettersteig geht es noch mindestens eine Stunde runter zum Hans-Berger-Haus – am Ende qualmen die Füße auf jeden Fall ganz gut…

Am Hans-Berger-Haus trafen wir dann auch Andi und Kamil wieder. Ich hatte mir zwischenzeitlich wegen des Abstiegs über den Eggersteig schon einige Sorgen um die beiden gemacht – ich war den Steig bislang nur im Aufstieg gegangen. Und Andi kam mir auch gleich entgegen und meinte: „Mit Dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen – das war eine Nahtod-Erfahrung für mich.“ Daraus lerne ich zumindest für die Zukunft meine Einschätzung über die Schwierigkeit einer Tour nicht einfach auf andere zu übertragen;-)

Nach den ersten kalten Bieren und dem einen oder anderen Haselnuss-Schnaps war das aber schnell wieder Vergessen. Und das Essen war dann wie bisher immer im Hans-Berger-Haus bei Silvia und Michael ein Traum! Es gab Ochsenbraten mit selbst gemachten Spätzle und wir bekamen sogar noch einen Nachschlag. Mit der Suppe vorher und dem leckeren Kuchen danach konnte man doch darauf gleich noch mal einen Schnaps trinken….

Einen Vorteil hatten die sehr sommerlichen Temperaturen: Man konnte sehr lange draußen sitzen;-)

01.08.2020 – Hans-Berger-Haus bis zur Kaindlhütte

Nach der ursprünglichen Planung sollte sich auch hier noch mal die Wege der Wandergruppe trennen. Ein Teil wollte ursprünglich über das Sonneck, die Hackenköpfe und den Wiedauer Steig zur Kaindlhütte, der Rest der Truppe über den Bettlersteig. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen nahmen wir von diesem Gewaltmarsch jedoch abstand und liefen nach dem Frühstück alle gemeinsam über den Bettlersteig in Richtung Kaindlhütte.

Wobei der letzte Anstieg auf die Hochalm über zahlreiche Stufen in der knallenden Sonne auch wirklich nicht ohne war. Ab dem Betreten der Alm war das Wandern aber entspannt. Nach der Ankunft aßen wir was un liefen noch mal gemeinsam ohne die Rucksäcke zur Brentenjochalm und zum Weinbergerhaus rüber und nach einer erneuten Stärkung auch wieder zurück;-)

Über die Kaindlhütte liest man ja häufiger etwas über die unbeliebsten Gäste, die Bettwanzen. Die Rucksäcke mussten auch alle unten bleiben – die Zimmer waren traumhaft schön und mit weißer Bettwäsche bezogen. Wir haben dort auf jeden Fall sehr gut geschlafen und gegessen!

02.08.2020 Kaindlhütte bis zum Hintersteiner See

Nun stand also nur noch das leichte „Auswandern“ am letzten Tag auf dem Programm. Das Wetter passte aber dazu – es war grau und nieselte etwas. Die Wetteraussichten für die nächsten Tage waren auch sehr regnerisch – wir hatten also auf jeden Fall alles richtig gemacht….Wir wanderten entspannt bis zum Hintersteiner See. Da es nicht wirklich sonnig war und der kleine Wanderbus direkt dort stand, fuhren wir auch gleich in Richtung Scheffau und nahmen von dort den Bus zurück nach Going am Badesee.

Fazit

Zum Wilden Kaiser kann man immer fahren. Auch beim dritten Mal wurde es nicht langweilig;-) Und die Tour mit guten Freunden war toll – vielleicht klappt das ja in den nächsten Jahren ja wieder. Die Gaudeamushütte fand ich persönlich mit den alten Pächtern deutlich besser. Das Hans-Berger-Haus ist und bleibt ein unglaublicher Wohlfühl-Platz und die Kaindlhütte war auch toll…..

P.S. Einige Fotos sind von Kamil mit der Fuji – DANKE, Well done;-)

 

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